21.06.2016

Gesprächsrunde zur aktuellen Flüchtlingspolitik

Stuttgarter Gespräch am Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung (Bild: UdVF-BW)

Friedlinde Gurr-Hirsch und Udo Kronester im Gespräch (Bild: UdVF-BW)

Rund 70 Gäste im Kurhaus in Stuttgart-Bad Cannstatt (Bild: UdVF-BW)

Abschlussbild mit den Referenten und Gästen (Bild: UdVF-BW)


Beim 2. Stuttgarter Gespräch am Weltflüchtlingstag diskutierten die Vorsitzende des Arbeitskreises Integration, Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch, der stellv. Vorsitzende der Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung der CDU/CSU, Heiko Schmelzle, und der Geschäftsführer der Hilfsorganisation "Mercy Ships Deutschland", Udo Kronester.

Die Union der Vertriebenen und Flüchtlinge in der CDU Baden-Württemberg (UdVF) hat das "Stuttgarter Gespräch" am ersten Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung, also genau vor einem Jahr, initiiert und mit der Jungen Union und dem Bund der Vertriebenen durchgeführt.

In diesem Jahr traf man sich zum zweiten Stuttgarter Gespräch. "Flucht und Vertreibung bedeuten für die Betroffenen großes Leid", so die UdVF-Landesvorsitzende Iris Ripsam. "Flüchtlinge werden ermordet, vergewaltigt und seelisch verletzt. Gewachsene Kulturräume werden zerstört. Allein im vergangenen Jahr waren nach Angaben des UNHCR weltweit mehr als 60 Millionen Menschen auf der Flucht."

Der stellvertretende Landesvorsitzende der Jungen Union Baden-Württemberg, der Landtagsabgeordnete Fabian Gramling, der die Gesprächsrunde moderierte, stellte fest: "Die jüngeren Parteimitglieder gehören einer Generation an, welche sich Flucht und Vertreibung nicht vorstellen können, außer über die Berichterstattung in den Medien. Nun kommen viele Flüchtlinge aus allen Ländern zu uns nach Europa: Wie gehen wir damit um? Welche Herausforderungen stellen sich? Und was können wir bei uns und in den Heimatländern tun?" Die Zahl von weltweit 60 Millionen Flüchtlingen sei erschreckend hoch. Man könne zwar niemals allen helfen, aber wir müssten was tun, auch in den Herkunftsländern.

Die Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz und Vorsitzende des Arbeitskreises Integration der CDU Baden-Württemberg, Friedlinde Gurr-Hirsch, nannte beispielhaft die Entwicklungszusammenarbeit des Landes Baden-Württemberg zu den afrikanischen Staaten Burundi und Ruanda in den Bereichen Bildung, Entwicklungshilfe und Landwirtschaft, um die Fluchtursachen wenigstens im Ansatz teilweise zu reduzieren. Sie sprach sich für "Hilfe zur Selbsthilfe" aus und nannte den berühmten Ausspruch von Konfuzius: "Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann das Fischen und du ernährst ihn für sein Leben." Der Unterstützung im Bildungsbereich komme eine große Bedeutung zu, angesichts dessen, dass über 50 Prozent der Frauen und rund 30 Prozent der Männer in diesen Ländern Analphabeten seien.

Der stellvertretende Vorsitzende der Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung der CDU/CSU (OMV) und Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises Aurich-Emden, Heiko Schmelzle, schilderte seine eigene familiäre Geschichte und beschrieb den Verlust der Heimat - egal wo auf der Welt - als "sehr emotional". Im Hinblick auf die weltweiten Fluchtbewegungen sagte Schmelzle: "Wir wollen helfen, aber unsere Möglichkeiten sind endlich." Für eine gelungene Integration sei ein langer Atem nötig. Am Beispiel der Deutschen Einheit, die ein Vierteljahrhundert gebraucht habe, um Ost- und Westdeutsche zusammen zu führen, sei klar, wie lange die Integration unterschiedlicher Kulturen brauche. Schmelzle ging auch ausführlich auf die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg ein.

Der Geschäftsführer der Hilfsorganisation "Mercy Ships Deutschland", Udo Kronester, schilderte die Bemühungen seiner Hilfsorganisation, die das Ziel verfolge, den Zugang zu medizinischer Versorgung zu verbessern und den Menschen Hoffnung und Heilung zu bringen. Die "Africa Mercy" sei das weltweit größte private Hospitalschiff. Sie fahre vor allem die Häfen an der Westküste Afrikas an. Er versuchte, die Haltung westafrikanischer Völker den Anwesenden näher zu bringen, die anders denken würden als wir in Europa ("Was bringt Krankheiten? Was heilt Krankheiten?"). Viele Westafrikaner würden in ethnischen Gruppen leben, in denen der Einzelne nichts zähle, so Kronester. Deshalb hätten Bildung, Karriere und Reichtum nicht den gleichen Wert als bei uns. Durch eine allgemeine Perspektivlosigkeit und die Geringfügigkeit des Einzelnen würden viele Westafrikaner den Weg nach Europa "auf sich nehmen".

In der anschließenden Diskussion wurde klar, dass man aus christlicher Sicht nie sagen dürfe, dass man genug getan habe. Und es auch klar, dass wir Flüchtlingen, die politisch verfolgt sind und die um ihr Leben fürchten, bei uns eine neue Heimat geben. Aber um denen zu helfen, die unsere wirkliche Hilfe benötigen, müssen wir die Asylverfahren verkürzen und Fluchtanreize senken.

Quelle: UdVF Baden-Württemberg

 

UNTERSTÜTZEN SIE DIE CDU BADEN-WÜRTTEMBERG

KAMPAGNEN & AKTIONEN

AKTUELL AUF CDU-BW.TV