18.04.2012

"Unsere Kinder dürfen nicht zu Versuchskanninchen der Gemeinschaftsschule werden"

Bild: kate_sept2004 / istockphoto.com


Alle anderen Schularten werden von Grün-Rot systematisch benachteiligt: "die Gemeinschaftsschule kannibalisiert die Haupt- und Werkrealschulen"

"Die heftige Kritik des Städte- und Gemeindetags bei der öffentlichen Anhörung zur Gemeinschaftsschule war auch für Grün-Rot kaum noch zu überhören. Anstatt einer Perspektivplanung für alle Schularten vorzunehmen, wird nur die sog. Gemeinschaftsschule überhastet eingeführt. Seitens der Kommunen wurde Grün-Rot eine ‚ruhige Hand‘ im Umgang mit den bestehenden Strukturen empfohlen. Nach Einschätzung der Gemeinden würde mit der Einführung der Gemeinschaftsschule ein Wettkampf um Schüler eröffnet, der zu Lasten von Haupt- und Werkrealschulen gehe - ja die Gemeinschaftsschule kannibalisiere diese beiden Schularten", sagte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Georg Wacker MdL, am Mittwoch im Stuttgarter Landtag.

"Die ungeklärte Kostenfrage im Gesetzentwurf (‚eine belastbare konkrete Gesamtbetrachtung der finanziellen Auswirkungen ist aufgrund der nicht näher bestimmbaren Parameter nicht möglich‘). Grün-Rot etikettiert die Haupt- und Werkrealschulen lediglich zur ideologisch motivierten Gemeinschaftsschulen um", kritisierte Wacker.

Weshalb in den Osterferien im Kultusministerium ein großer Jubel wegen der Anmeldezahlen an den 40 Test-Schulen ausgebrochen sei, löse bei genauerer Betrachtung große Verwunderung aus. Mehr als die Hälfte aller sogenannten Gemeinschaftsschulen sei geradeso knapp zweizügig und müssen von Anfang an ums Überleben im harten Wettbewerb kämpfen. "Es ist schon dreist hier von einem großen Zuspruch für diese Schulen zu sprechen", befand Georg Wacker beim Blick auf die Anmeldezahlen der sogenannten Gemeinschaftsschulen.

"Alle anderen Schularten werden von Grün-Rot systematisch benachteiligt. Nur für das Lieblingskind Gemeinschaftsschule wird der Klassenteiler auf 28 Schüler gesenkt und wird die förderfähige Programmfläche mit einem Zuschlag von 30 Prozent bedacht. Auch von verbesserten Möglichkeiten der individuellen Förderung mit zusätzlichen Ressourcen profitiert nur die Gemeinschaftsschule, die anderen bleiben zurück", erklärte Georg Wacker. Dem Lieblingskind werde alles gegönnt. So häuften sich entsprechende Kosten bei den Schulträgern an – in einer ersten Überschlagsrechnung kalkuliert allein der Städtetag mit zusätzlichen Kosten von 50 bis 70 Millionen Euro. "Ich erwarte von einer Landesregierung, dass sie für alle Schularten gleichermaßen verantwortlich handelt", forderte Wacker eindringlich.

Schon heute erreichten knapp 76 Prozent aller Schüler eines Jahrgangs den mittleren Bildungsabschluss. Wie Grün-Rot diese hervorragende Quote des baden-württembergischen Leitabschlusses ‚Mittlerer Bildungsabschluss’ noch weiter steigern wolle, ohne zugleich der anerkannt hohen Qualität einen Abbruch zu tun, sei die Frage. Was nutze es dem Land, wenn wie in Schweden zwar 85 Prozent der Schüler das Abitur erreichen – davon aber gerade einmal 14 Prozent studierfähig seien? "Es ist schlicht skandalös und unverantwortlich, dass Grün-Rot dieses baden-württembergische Erfolgsmodell nicht gezielt weiterentwickeln will, sondern stattdessen auf Kosten der Kinder ein Schulexperiment mit unbekanntem Ausgang startet", stellte Wacker die Zielsetzung der Landesregierung in Frage.

Die Begründung der Landesregierung für das riskante Schulexperiment Gemeinschaftsschule werde immer dünner: So antwortete das Kultusministerium auf einen Antrag der CDU-Fraktion (Drs. 15/1455 am 5. April 2012), dass baden-württembergische Schüler fast ausschließlich Spitzenplatzierungen im IQB-Ländervergleich erreicht hätten – und dies auch die Kinder mit Migrationshintergrund, die angeblich besonders von den bestehenden Schulen benachteiligt würden.

"Dem anschließenden Fazit des Kultusministeriums ‚Die erreichten Leistungen der Schülerinnen und Schüler sind Ausdruck eines leistungs- und funktionsfähigen Bildungs- und Bildungsunterstützungssystem in Baden-Württemberg, das in seinen Grundlagen gesamtgesellschaftlich und gesamt-bildungspolitisch getragen wurde und wird‘ kann sich die CDU-Fraktion vollends anschließen. Ich fordere die Landesregierung dazu auf, dieses gesamtgesellschaftlich und gesamt-bildungspolitisch getragene exzellente Bildungswesen jetzt nicht aus rein ideologischen Motiven mit dem Dampfhammer einzureißen", verlangte Wacker.

Quelle: CDU-Landtagsfraktion

 

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