14.11.2011

"Kirche und christlicher Glaube muss in der Öffentlichkeit wieder mehr spürbar sein"

Hans-Michael Bender, Annette Widmann-Mauz, Prof. Ferdinand Kirchhof, Peter Schuster und Claudia Hanak (v.l.n.r., Bild: CDU-BW)


Verfassungsrichter Professor Ferdinand Kirchhof bei der Landestagung des Evangelischen Arbeitskreises in Tübingen unter dem Motto "Staat und Kirche - vor neuen Herausforderungen"

Der allmähliche Rückzug der christlichen Kirchen aus der Wahrnehmung vieler Menschen im öffentlichen Lebens gehe einher mit einer schwindenden Akzeptanz für Regelungen des Staatskirchenrechts in kritischen Teilen, insbesondere der nicht konfessionell gebundenen Bevölkerungsschichten, stellte der Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts, Professor Dr. Ferdinand Kirchhof, während der diesjährigen Tagung des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU Baden-Württemberg fest.

Es gehe darum, verlorenes Terrain im Bereich der Bildung, der Diakonie und der Grundwertediskussion zurückzugewinnen, so Kirchhof. Damit sei keine christliche Verbrämung tagesaktueller Themen gemeint, sondern der tätige christliche Dienst am Menschen. Das Staatskirchenrecht auf Basis der individuellen Glaubensfreiheit mit Elementen wie dem Selbstverwaltungs- und Steuerrecht der Kirchen habe sich bewährt, so der Verfassungsrechtler, der in Karlsruhe auch als Vorsitzender des Grundrechtsenats fungiert. Die Veränderung in Gesellschaft und religiösem Leben in Deutschland erfülle ihn aber mit Sorge. Das deutsche Kooperationsmodell von Kirchen und Staat könne andererseits aber auch Vorbild für andere europäischen Staaten sein.

Hans-Michael Bender, Landesvorsitzender des EAK Baden-Württemberg, erinnerte daran, dass Teile der SPD und der Grünen eine Streichung des Gottesbezuges aus dem Grundgesetz und den Länderverfassungen sowie eine Streichung der Kirchensteuer und anderer Staatsleistungen an die Kirchen fordern. "Der Bezug auf Gott in der Präambel des Grundgesetzes bedeutet aus christlicher Sicht aber gerade ein Selbstverständnis von Religion als freiheitsstiftender Kraft", betonte Bender, der gleichzeitig auch stellv. EAK-Bundesvorsitzender ist. Dabei will sich der Gottesbezug in der Präambel des Grundgesetzes nicht auf eine bestimmte Religion oder Konfession allein ausgerichtet wissen. Die Verfassung lasse Raum für alle Religionen.

Für gegenseitiges Verständnis und Achtung der Religionen und Konfessionen warb Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz MdB, die die Landestagung mit einem Grußwort eröffnete. Auch die christlichen Parteien stünden hier vor großen Herausforderungen, wenn sie Parteien der Mitte bleiben wollten. Widmann-Mauz begrüßte die Einrichtung eines Zentrums für Islamstudien an der Universität Tübingen.

CDU-Landesvorsitzender Thomas Strobl MdB hatte in einem schriftlichen Grußwort an die Teilnehmer der Landestagung betont, dass die christlichen Wurzeln für unsere deutsche und europäische Gesellschaft von zentraler Bedeutung seien. "Deshalb ergibt sich aus dem C in unserem Parteinamen, dass für uns die Frage nach Europa mehr ist und mehr sein muss, als die bloße Frage nach Währungsstabilität und ökonomischen Vorteilen", so Strobl.

EAK-Landesvorsitzender Hans-Michael Bender betonte in der sich anschließenden Mitgliederversammlung des Evangelischen Arbeitskreises im Rahmen der Landestagung die wichtige Rolle als Sonderorganisation in CDU und CSU. Man blicke im Landesverband auf neun Jahre Arbeit zurück, seit sich der EAK aus den Bereichen der Evangelischen Landeskirchen Baden und Württemberg zu einem Landesverband zusammenschloss. Im vergangenen Jahr sei ihm die Etablierung des Notlagenfonds "Kind Willkommen", die Auseinandersetzung mit den Ursachen und Folgen der verlorenen Landtagswahl und die inhaltliche Positionierung im Hinblick auf den Bildungsparteitag der CDU Deutschlands besonders wichtig gewesen. Die Landestagung 2012 soll in Pforzheim stattfinden und unter dem Thema "Das Gewissen in der Politik" stehen.

Die abschließende Wahl der Delegierten zu den EAK-Bundestagungen 2012 und 2013 ergab folgendes Ergebnis: Gewählt wurden Claudia Hanak, Sabine Kurtz MdL, Dr. Christian Herrmann, Dr. Martin Schmid und Stefan Walter. Die Predigt im Gottesdienst im Rahmen der Landestagung hielt in der Tübinger Stiftskirche Pfarrer Dr. Paul-Gerhard Roller, die Morgenandacht sprach Pfarrer Dr. Martin Brändl.

Quelle: Evangelischer Arbeitskreis (EAK) der CDU Baden-Württemberg

 

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