15.11.2014

Herbert Czaja: Ein Leben für Versöhnung und Verständigung

Feierstunde anlässlich des 100. Geburtstages von Herbert Czaja (Bild: CDU-BW)

Die Landesvorsitzende der UdVF Baden-Württemberg, Iris Ripsam (Bild: CDU-BW)

Christoph Palmer hielt einen Vortrag über das "Leben und Wirken von Herbert Czaja" (Bild: CDU-BW)

Christine Czaja, Arnold Tög und Christoph Palmer (Bild: CDU-BW)


Am 5. November 2014 wäre der langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete und frühere Landesvorsitzende der Union der Vertriebenen und Flüchtlinge in der CDU Baden-Württemberg (UdVF), Herbert Czaja (1914-1997), 100 Jahre alt geworden.

Aus diesem Anlass fand an seinem Geburtstag eine Kranzniederlegung an seinem Grab auf dem Hauptfriedhof in Steinhaldenfeld statt. In einer musikalisch umrahmten Feierstunde im Kursaal in Stuttgart-Bad Cannstatt, zu der die UdVF Baden-Württemberg gemeinsam mit der CDU Stuttgart eingeladen hatte, erinnerte der ehemalige baden-württembergische Staatsminister Christoph-E. Palmer in einem Vortrag an das Leben und Wirken von Herbert Czaja.

Dazu hatten sich viele Ehrengäste eingefunden, unter anderem Christine Czaja, die Tochter des Jubilars, der Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann sowie die Landtagsabgeordneten Reinhard Löffler, Paul Nemeth und Konrad Epple. Der frühere Staatsminister Christoph Palmer hob in seinem Vortrag vor allem die konsequente Haltung des Christen Herbert Czaja in seinem politischen Wirken hervor und würdigte seinen unermüdlichen Einsatz für Versöhnung und Verständigung unter den Völkern.

Am 14. November 1914 in den unruhigen Tagen des Ersten Weltkrieges als Einzelkind im österreich-schlesischen Teschen geboren, studierte Czaja an der Universität zu Krakau in den Fächern Germanistik, Philosophie und Geschichte und promovierte 1939 zum Doktor der Philosophie. Als bekennender Gegner des Nationalsozialismus, auch dokumentiert durch seine Mitgliedschaft in der "Deutschen Christlichen Volkspartei", setzt er sich schon während seines Studiums für seine polnischen und jüdischen Kommilitonen und akademischen Lehrer ein, wird zur deutschen Wehrmacht einberufen und kehrt mit einer schweren Verwundung wieder in seine Heimat zurück.

1946 aus seiner Heimat vertrieben, weil er sich weigerte, die polnische Staatsbürgerschaft anzunehmen und sich zum Polentum zu bekennen, zog der damals 31-jährige Czaja nach Stuttgart, wo er eine Anstellung als Lehrer fand. Von seinem Engagement in der "Deutschen Christlichen Volkspartei " geprägt, schloss sich Czaja sogleich der neu gegründeten Christlich-Demokratischen Union an. Bereits 1947 als einziger Vertreter der Vertriebenen in den Stuttgarter Gemeinderat gewählt, engagierte sich Czaja für die Linderung der materiellen Not der Heimatvertriebenen und den sozialen Wohnungsbau und gehört zu den Mitbegründern der Baugenossenschaft "Neues Heim" in Stuttgart-Rot. Christoph Palmer hob in diesem Zusammenhang hervor, dass Herbert Czaja, geprägt von seiner christlich-sozialen Überzeugung, sich neben der Sache vor allem den persönlichen Anliegen der Menschen zuwandte und einem "personalisierten Petitionsausschuss" glich.

Es folgte 1953 der Einzug in den Deutschen Bundestag, dem Herbert Czaja bis 1990 angehörte. Bis 1980 über die Landesliste nach Bonn gewählt, schaffte es der Vertriebenenpolitiker 1983 und 1987 über das Direktmandat in das Parlament, wo er mit seiner Haltung zur Außen- und Deutschlandpolitik Akzente setzte. Stand für Herbert Czaja am Anfang seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter noch die Wohnungsbaupolitik im Mittelpunkt seiner politischen Arbeit, so war es später mehr und mehr die Außenpolitik, die sein politisches Engagement bestimmte.

So befasste sich Czaja, der sein Handeln am christlichen Menschenbild und den Prinzipien der katholischen Soziallehre ausrichtete, mit den weltweiten Flüchtlingsströmen und Vertreibungen und vertrat eine Asylpolitik, die vom christlichen Mitgefühl geprägt war. In diesem Zusammenhang beleuchtete Festredner Christoph Palmer aber auch Czajas Auseinandersetzungen mit der "neuen" deutschen Ostpolitik, bei denen der seiner oberschlesischen Heimat verbundene Christdemokrat stets für die Offenhaltung der Deutschen Frage eintrat. Auch lehnte Herbert Czaja, der von 1970 bis 1994 Präsident des Bundes der Vertriebenen in Deutschland war, endgültige Grenzziehungen ab und beharrte auf dem völkerrechtlichen Fortbestand des Deutschen Reiches in den Grenzen von 1937.

Mit seiner Haltung geriet der Politiker im Laufe der 1970er Jahre jedoch mehr und mehr in eine Außenseiterposition innerhalb der CDU und zeigte sich enttäuscht, als nach der politischen Wende und dem Ende der 13-jährigen sozialliberalen Regierungszeit, die im Jahre 1983 neugewählte CDU/FDP-Bundesregierung unter Bundeskanzler Helmut Kohl an der Ostpolitik der Vorgängerregierungen festhielt. "Auch wenn Herbert Czaja am Ende seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter mit seiner Meinung zum Einigungsvertrag und dem Zwei-plus-Vier-Vertrag in einer Minderheitenposition innerhalb seiner Fraktion war, so habe er doch bereits Mitte der 1980er Jahre den Zusammenbruch des Sowjetimperiums und die friedliche Wende vorausgeahnt", so Palmer, der davon überzeugt ist, dass ohne das fleißige Engagement des christlich-sozialen Politikers Herbert Czaja die Integration der über 12 Millionen Heimatvertriebenen und Flüchtlinge in der jungen Bundesrepublik Deutschland nicht gelungen wäre.

Quelle: UdVF Baden-Württemberg

 

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