23.06.2015

Gesprächsrunde zur aktuellen Flüchtlingspolitik

"Stuttgarter Gespräch" zur Flüchtlingspolitik am Weltflüchtlingstag (Bild: CDU-BW)

Franz Longin, Iris Ripsam und Frank Franke (v.l.n.r., Bild: CDU-BW)

Theodor Lazar, Steffen Bilger und Franz Longin (v.l.n.r., Bild: CDU-BW)

Die Gesprächsrunde fand im Kursaal in Stuttgart-Bad Cannstatt statt (Bild: CDU-BW)


Beim Stuttgarter Gespräch diskutierten der Bezirksvorsitzende der CDU Nordwürttemberg Steffen Bilger, der Präsident der Hilfsorganisation "Luftfahrt ohne Grenzen", Frank Franke, der Sprecher der Südmährer, Franz Longin, und der Vorsitzende des Gemeinderats der Assyrischen Gemeinde des Ostens in Stuttgart, Theodor Lazar.

Die Union der Vertriebenen und Flüchtlinge in der CDU Baden-Württemberg (UdVF) hat das Stuttgarter Gespräch am ersten Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung initiiert und zusammen mit der Jungen Union und dem Bund der Vertriebenen durchgeführt. "Flucht und Vertreibung bedeuten für die Betroffenen großes Leid", so die UdVF-Landesvorsitzende Iris Ripsam. "Flüchtlinge werden ermordet, vergewaltigt und seelisch verletzt. Gewachsene Kulturräume werden zerstört. Allein im vergangenen Jahr waren nach Angaben des UNHCR weltweit mehr als 60 Millionen Menschen auf der Flucht."

Der JU-Landesvorsitzende Nikolas Löbel, der die Gesprächsrunde moderierte, stellte fest: "Die Mitglieder der Jungen Union gehören einer Generation an, welche sich Flucht und Vertreibung nicht vorstellen können, außer über die mediale Berichterstattung." Nun kommen aber viele Flüchtlinge aus allen Ländern zu uns nach Europa: "Wie gehen wir damit um? Welche Herausforderungen stellen sich uns? Und was können wir bei uns und in den Heimatländern tun?"

Der Präsident der Hilfsorganisation "Luftfahrt ohne Grenzen", Frank Franke, findet die Zahl von weltweit 60 Millionen Flüchtlingen erschreckend hoch. "Jeder Mensch steht für ein Schicksal", so Franke. Man könne zwar niemals allen helfen, aber wir müssten etwas tun, gerade auch in den Herkunftsländern. Neun von zehn Menschen wollen ihre Heimat eigentlich nicht verlassen und in ein fremdes Land gehen, so Franke. Die Organisation "Luftfahrt ohne Grenzen" ist seit 2012 im Einsatz für die syrischen Flüchtlinge im türkisch-syrischen Grenzgebiet. In den vergangenen drei Jahren habe "Luftfahrt ohne Grenzen" mehr als 600 LKWs mit insgesamt 1.800 Tonnen Hilfsgüter nach Syrien geschafft.

Der ehemalige Landtagsabgeordnete und Sprecher der Südmährer, Franz Longin, erinnerte an das Schicksal der Heimatvertriebenen vor siebzig Jahren. Longin, selbst Zeitzeuge der Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg, begrüßte es, dass die Opfer von Flucht und Vertreibung nun einen Gedenktag in Deutschland haben. "Aufgrund des eigenen Schicksals könnten die deutschen Vertriebenen sehr gut nachempfinden, was die derzeitigen Flüchtlinge durchmachen." Im Hinblick auf die vielen Millionen, die derzeit vor den "Toren Europas" stehen, warnte Longin aber auch: "Deutschland und Europa können eine solche Flüchtlingswelle niemals schultern." Longin sprach sich deshalb für einen sog. Marshall-Plan für die arabischen Staaten aus, damit möglichst viele in ihrer Heimat bleiben können.

Der Vorsitzende des Gemeinderats der Assyrischen Gemeinde des Ostens in Stuttgart, Theodor Lazar, der aus dem Iran stammt, schilderte seine Lebensgeschichte und die der Assyrer im Nahen Osten. Lazar stellte dar, dass es gegenwärtig nicht mal mehr als 20.000 assyrische Christen im Iran gebe. Ähnlich sei die Situation im Irak und in Syrien. Christliches Leben werde im Nahen Osten systematisch vernichtet. Die Situation der Flüchtlinge in Syrien und im Irak sei katastophal. Die Flüchtlingslager seien zum Großteil nur Zeltstädte, die im Winter ohne Heizung auskommen müssten. Oft sei nicht mal ausreichend Trinkwasser vorhanden.

Der Vorsitzende der CDU Nordwürttemberg und Bundestagsabgeordnete Steffen Bilger erinnerte an das Gelöbnis von Mutter Teresa, dass man aus christlicher Sicht nie sagen dürfe, dass man genug getan habe. Es sei klar, dass wir Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak oder aus Afrika, die politisch verfolgt sind und um ihr Leben fürchten, bei uns eine neue Heimat geben. Außerdem müssten Deutschland und Europa sich dafür einsetzen, dass auch künftig christliches Leben im Nahen Osten möglich sei. Der Bundestagsabgeordnete erinnerte aber auch daran, dass zwei Drittel aller Asylanträge derzeit von sog. "Wirtschaftsflüchtlingen" aus den Balkanstaaten gestellt werden. "Um denen zu helfen, die unsere wirkliche Hilfe benötigen, müssten wir die Asylverfahren verkürzen und mehr Staaten zu sicheren Herkunftsländern erklären", so Bilger.

Quelle: UdVF Baden-Württemberg

 

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