12.06.2015

Evangelischer Arbeitskreis zu Besuch bei der Diakonie Stetten

Evangelischer Arbeitskreis zu Besuch bei der Diakonie Stetten (Bild: EAK-BW)

Heiderose Maaß gab einen Überblick über die Aufgaben der Diakonie Stetten (Bild: EAK-BW)


Die Mitglieder des Evangelischen Arbeitskreises der CDU Baden-Württemberg besuchten die Diakonie Stetten, um sich auch vor dem Hintergrund der laufenden Inklusionsdebatte über die Herausforderungen in der Arbeit mit Menschen mit teils schwerwiegenden Beeinträchtigungen zu informieren.

Der Evangelische Arbeitskreis der CDU Baden-Württemberg (EAK) unter Leitung von Sabine Kurtz hat sich im Rahmen seiner jüngsten Vorstandssitzung bei der Diakonie Stetten in Kernen im Remstal getroffen. Unter Führung von Vorstand Heiderose Maaß erhielten die EAK-Mitglieder einen Überblick über die vielfältigen Aufgaben der Diakonie Stetten. Nach einer Begrüßung durch Frau Maaß stand eine Besichtigung der Theodor-Dierlamm-Schule an. Hier werden 180 Schülerinnen und Schüler mit teils schweren geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen in kleinen Klassen von vier bis acht Schülern unterrichtet.

Andreas Kappeler, Abteilungsleiter der Bergschule, führte die Teilnehmer durch die Klassenzimmer und erläuterte, welche Veränderungen die derzeit laufenden Diskussionen zur Inklusion bedeuten. "Für die Erziehung der Kinder braucht es ein ganzes Dorf", lautete sein Motto frei nach einem afrikanischen Sprichwort. In der Diakonie Stetten könnten in einer Kombination von Schule, Gesundheitszentrum und Wohnung mit vielfältig qualifiziertem Personal große Synergieeffekte erzielt werden. Regelschulen könnten ein vergleichbares Programm mit angemessener Nachmittagsbetreuung, langfristiger Planung, Werkstätten, u.v.m. so nicht anbieten.

Genauso sei die medizinische Expertise ein integraler Teil sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen für Behinderte, die wiederum in der Betreuung der behinderten Kinder integriert sein können. Eine gemeinsame Beschulung von behinderten und nicht-behinderten Menschen sei nur bis zu einem bestimmten Grad möglich, denn die individuellen Herausforderungen könnten schnell die Möglichkeiten innerhalb einer Klasse und an einer Regelschule sprengen. Nahrungsaufnahme, Körperhygiene, Lernen, Spielen, Lagern, bis hin zum Bewegungsbad und zur Physiotherapie: an der Bergschule werde alles angeboten!

"Wenn wir diese Schulen auflösen, müssen alle Schulen im Land entsprechend umgebaut werden", erläuterte Kappeler. "Man muss sich am Wohl der Kinder orientieren, nicht am Dogma", stellte er den Mehrwert der überzogenen Inklusion in Frage.

Heiderose Maaß führte die Gruppe durch das weitläufige Gelände der Diakonie Stetten und erläuterte den nachdenklichen Teilnehmern am "Stein des Gedenkens" im Schlosshof die Deportation und Ermordung von 330 Menschen in Grafeneck auf der Schwäbischen Alb während der Schreckensherrschaft des Dritten Reiches. Mit den EAK-Mitgliedern war sie sich einig, dass dieser Teil der deutschen Geschichte nicht in Vergessenheit geraten dürfe und dem Lebensschutz ein nicht hoch genug einzuschätzender Wert zukomme.

Im Gespräch mit Betroffenen und Experten erhielten die EAK-Mitglieder einen Eindruck von den Entwicklungsmöglichkeiten, die Menschen mit Behinderungen durch die gezielte Unterstützung in der Diakonie Stetten erfahren. So erzählte z.B. Pascal Kraft wie sich sein Arbeitsweg von Schorndorf nach Waiblingen gestaltet, den er im Elektro-Rollstuhl zurücklegen muss. Mobilität sei ihm sehr wichtig, vor allem im Öffentlichen Nahverkehr.

Problematisch seien die nicht behindertengerechten Regionalexpress-Züge und defekte Aufzüge in den Bahnhöfen. Streiks und Verspätungen erschweren ihr Leben noch mehr. Wenn Inklusion ernst gemeint sei, dann müsse sie flächendeckend geschehen und z.B. alle Bahnhöfe, Züge, Aufzüge, Eingänge in öffentliche Gebäude, usw. einbeziehen. Der erkannte Handlungsbedarf werde sicherlich hohe Kosten verursachen. Inklusion müsse auch ältere Menschen, Asylanten, Menschen aus anderen Kulturen und Religionen in den Blick nehmen.

Wie Pascal Kraft, Ursula Link und Manfred Rommel wohnen die Menschen mit Behinderungen je nach Bedarf in Kernen-Stetten oder dezentral in anderen Gemeinden im Rems-Murr-Kreis, im Landkreis Esslingen, in Stuttgart oder in den Landkreisen Göppingen oder Ostalb. Die Diakonie Stetten bietet seit vielen Jahren dezentrale Wohnangebote an: rund 1.470 Wohnplätze unterhält sie in Wohnheimen, Außenwohngruppen und in ambulant betreuten Wohnungen. Weiterhin hält sie Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen in den Remstal Werkstätten vor.

Heiderose Maaß erklärte, welchen Herausforderungen sich die Diakonie Stetten in Zukunft stellen muss: Da sei der zunehmende Kostendruck, der wirtschaftliches Handeln notwendig mache, denn: "Die Kosten steigen zwar an, jedoch wurden die Pflegesätze in den vergangenen Jahren nicht in der gleichen Relation angehoben", so Maaß. Inklusion mit Augenmaß sei sinnvoll.

Man müsse auch berücksichtigen, dass sich Menschen mit Behinderung in vielen Fällen in einem geschützten Raum und unter Menschen, die ihr Leben mit ähnlichen Beeinträchtigungen meistern müssten, wohler fühlen. Man müsse die Menschen fragen, was sie möchten und nicht glauben, dass es nur einen Weg gibt, der alle glücklich macht. Sie gab zu bedenken, dass bei gleichbleibender Mitarbeiterzahl der Aufwand für Dokumentation und Verwaltung um ein Vielfaches gestiegen sei. Daher komme immer weniger Zeit bei den Menschen mit Behinderung an.

Die Umsetzung der Landesheimbauverordnung wird die Diakonie Stetten vor weitere große Herausforderungen stellen. Derzeit wird untersucht in welchem Ausmaß die 72 Häuser umgebaut oder sogar neugebaut werden müssen, um der Landesheimbauverordnung zu entsprechen.

In ihrem Schlusswort dankte Sabine Kurtz den Mitarbeitern und Bewohnern für ihre Zeit und die offene Diskussion. Sie lobte den historischen Kontext der Diakonie Stetten, in deren Einrichtungen heute mit viel Herzblut vor einem religiösen Hintergrund Menschen mit oft schwierigen Beeinträchtigungen geholfen wird.

Quelle: Evangelischer Arbeitskreis der CDU Baden-Württemberg

 

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