09.02.2015

CDU-Landesvorstand diskutierte die Themen Islam und Islamismus

Gruppenbild mit Thomas Strobl, Birgül Akpinar, Sabine Kurtz, Katrin Schütz und den Referenten (Bild: CDU-BW)

Erdal Toprakyaran (rechts) hat den Lehrstuhl für Islamische Geschichte und Gegenwartskultur an der Uni Tübingen inne (Bild: CDU-BW)

Claus Peter Grotz, Politikwissenschaftler an der Polizeihochschule Villingen-Schwenningen (Bild: CDU-BW)

Thomas Volk (links), Koordinator für Islam und Religionsdialog bei der Konrad-Adenauer-Stiftung (Bild: CDU-BW)


Der Landesvorstand hat die Themen Islam, politischer Islam und Islamismus diskutiert. Dazu waren Erdal Toprakyaran, der den Lehrstuhl für Islamische Geschichte und Gegenwartskultur an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen inne hat, Claus Peter Grotz, Politikwissenschaftler an der Polizeihochschule Villingen-Schwenningen, sowie Thomas Volk, Koordinator für Islam und Religionsdialog bei der Konrad-Adenauer-Stiftung, geladen.

Professor Erdal Toprakyaran von der Universität Tübingen ging zu Beginn seines Vortrages auf die personelle und organisatorische Ausgestaltung des Zentrums für islamische Theologie in Tübingen ein. Toprakyaran lobte ausdrücklich das Eintreten von Bundeskanzlerin Angela Merkel und der früheren Bundesbildungsministerin Annette Schavan für die Einrichtung islamischer Lehrstühle in Deutschland. Im Vergleich zu den anderen bundesweiten Standorten laufe die Arbeit in Tübingen reibungslos und sehr gut. Ein aktuelles Problem des Islams sei die Spaltung der Gesellschaft in der Türkei in regierungstreue Anhänger und Säkularisierte. Dies habe auch Auswirkungen auf die türkischstämmige Bevölkerung in Deutschland. Toprakyaran sprach sich für eine unabhängige und auch kritischere Debattenkultur unter den Muslimen in Deutschland aus. Auf die Frage, ob der Islam reformiert werden müsse, sagte Toprakyaran: "Die Muslime müssen sich ständig erneuern."

Der Politikwissenschaftler, Professor Claus-Peter Grotz, ging auf die Bedrohung durch den Islamismus in Deutschland und auf die sicherheitsrelevanten Aspekte ein. An der Hochschule für Polizei werden die Beamten des gehobenen Polizeidienstes ausgebildet, die auch Grundkenntnisse von der Religion des Islams haben sollten. Im Laufe der vergangenen Jahre habe sich das Bedrohungspotential durch den Islamismus verändert. Das betreffe Anschlagsszenarien und Akteure. Gegenwärtig nehmen Kleinanschläge und Einzelterrorakte zu. "Es gibt keine Standardmodelle, wie sich Radikalisierung entwickelt, aber es gibt bestimmte Ablaufmuster", so Grotz. Als Beispiele nannte er Brüche in der Biografie. Dies bedeute, dass Religion nicht der Auslöser für Radikalisierung sei, sondern vielmehr die soziale Bindung. Claus-Peter Grotz zitierte den früheren Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, der 2006 die Aussage traf: "Der Islam ist Teil Deutschlands und Teil Europas, er ist Teil unserer Gegenwart und er ist Teil unserer Zukunft."

Der Islamwissenschaftler Thomas Volk von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin ging auf die verschiedenen Strömungen des Islams in Deutschland und auf die fehlenden Ansprechpartner seitens der verschiedenen Religionsgemeinschaften ein. Von den rund vier Mio. Muslimen in Deutschland haben 63 Prozent einen türkischen Hintergrund. 74 Prozent der Muslime in Deutschland sind Sunniten, 13 Prozent Alewiten und 7 Prozent Schiiten. Für all diese verschiedenen muslimischen Strömungen gibt es keine legitimierte Organisation, die als Sprachrohr fungieren könnte. Am gefährlichsten seien die Neo-Salafisten, welche die Demokratie ablehnen und strikt dem Koran folgen. Ende 2014 gab es über 7.000 Salafisten, mit steigender Tendenz. Da es den Islam nicht gäbe und die islamische Vielfalt nicht ausreichend dargestellt werden kann, sei die Aussage, dass der Islam zu Deutschland gehöre, zu einfach dargestellt, so Volk. Richtig sei, dass "die Muslime zu Deutschland gehören."

 

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