07.09.2016

Wir müssen in der Bildungspolitik unsere Handschrift erkennbar machen

Eisenmann: "Wir müssen in der Bildungspolitik unsere Handschrift erkennbar machen" (Bild: Kultusministerium)


Kultusministerin Susanne Eisenmann: In Mathematik und Rechtschreibung schneiden die Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen mit Ausnahme der Gymnasiasten bei VERA 8 nicht gut ab.

Die Befunde der Vergleichsarbeit VERA 8 führen uns deutlich vor Augen, dass wir in den Schulen wieder mehr auf Leistung und auf passgenaue Angebote achten müssen. Politik beginnt mit dem Betrachten der Wirklichkeit, dieses oft bemühte Politikerzitat hat mit Blick auf die aktuellen Ergebnisse eine Menge für sich.

Die Tests in Mathematik, Lesen, Rechtschreiben und in der Fremdsprache wurden vom Berliner Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) im Frühjahr 2016 in allen Bundesländern eingesetzt. Anfang Juli haben die Gymnasien, die Realschulen, der Gemeinschaftsschulen und die Haupt- und Werkrealschulen in Baden-Württemberg ihre Befunde aus diesen Vergleichsarbeiten der Sekundarstufe I bekommen. Das Ganze ist ohne Frage ein gehöriger Schuss vor den Bug und gibt uns wichtige Hinweise, wo wir in den kommenden Jahren den Hebel ansetzen müssen.

Bei VERA 8 wurden alle Achtklässler im Lande mit bundesweit einheitlichen Vergleichsarbeiten auf ihre Fähigkeiten in den genannten Testbereichen getestet. Mit Ausnahme der guten Resultate unserer Gymnasien können uns die Befunde nicht gefallen: Während an den Gymnasien in der Mathematik bereits 79 Prozent der Schülerinnen und Schüler in den achten Klasse den Regelstandard für den Mittleren Bildungsstandard erreicht haben, schaffen dies an den übrigen Schularten lediglich 14 Prozent. An den Haupt- und Werkrealschulen verfehlen sogar 85 Prozent der Schülerinnen und Schüler den Regelstandard für den Hauptschulabschluss, mehr als die Hälfte von Ihnen liegt sogar noch unter dem Mindeststandard.

Kaum besser sieht es in der Rechtschreibung aus: Hier verfehlen ebenfalls gut drei Viertel der Schülerinnen und Schüler den Regelstandard für den Mittleren Bildungsabschluss. Alarmierend sind die Befunde neben den Haupt- und Werkrealschulen besonders für die von grün-rot eingeführten Gemeinschaftsschulen. Diese Schulart, die mit dem Anspruch eingeführt wurde, ihren Schülerinnen und Schülern den Weg zur gleichen Abiturprüfung zu führen, wie sie unsere Gymnasien bewältigen müssen, landet in Klassenstufe 8 im Leistungsniveau zwischen der Haupt-/Werkrealschule und der Realschule.

Mit den aktuellen Ergebnissen setzt sich ein Trend fort, der sich in der vergangenen Legislaturperiode mit dem Ländervergleich zu PISA 2012 - damals standen Mathematik und die Naturwissenschaften im Fokus - bereits deutlich abzeichnete.

Wo können wir nun den Hebel ansetzen? Der Koalitionsvertrag gibt uns dabei wichtige Leitplanken vor, an denen wir uns orientieren werden. Die Befunde bestärken mich darin, weniger über Schulstrukturen und dafür mehr über die Qualität des Unterrichts an unseren Schulen zu sprechen. Die Bandbreite der Ergebnisse führt uns vor Augen, dass wir einzelne Schularten auch nicht pauschal beurteilen dürfen. Statt im Reflex zu reagieren, müssen wir die Ursachen sorgfältig analysieren und mit Bedacht die nächsten Schritte wählen.

VERA 8 zeigt uns, dass wir mit dem Konzept zur Stärkung der Realschule, das im Koalitionsvertrag verankert ist, auf dem richtigen Weg sind. Die Realschule hat nach dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung eine deutlich heterogenere Schülerschaft, als dies früher der Fall war. Mit zusätzlichen Poolstunden wollen wir die Lehrerinnen und Lehrer bei der Förderung der Schülerinnen und Schüler besser unterstützen.

Schwierig sind die Ergebnisse unserer Haupt- und Werkrealschulen, weil dort die pädagogischen Herausforderungen durch die veränderten Schülerströme enorm zugenommen haben. Der Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist dort bei insgesamt zurückgehenden Schülerzahlen zuletzt spürbar größer geworden. Die regionale Schulentwicklung ist der richtige Ansatz, denn es darf nicht sein, dass sich die Standortproblematik zulasten der Fachlichkeit an der Schule auswirkt.

An den Gemeinschaftsschulen müssen wir unser Hauptaugenmerk auf das pädagogische Konzept richten und analysieren, ob leistungsheterogene Gruppen wirklich mehr Kompetenzen für die Schülerinnen und Schüler mit sich bringen.

Erfreulich sind die Befunde unserer Gymnasien: Die Ergebnisse bestätigen ihr hohes Niveau, das sich auch schon früher bei Vergleichen zwischen den Bundesländern gezeigt hat. Es spricht viel dafür, dass das Erfolgsrezept der Gymnasien mit der hohen Unterrichtsqualität und der starken Betonung der Fachlichkeit und der Fachdidaktik in der Lehrerausbildung zusammen hängt.

Ansetzen müssen wir schon im vorschulischen Bereich und in der Grundschule: Mit der Erhöhung der Stundentafel für Mathematik und Deutsch ab dem Schuljahr 2016/2017 wollen wir grundlegende Kompetenzen bei den Kindern fördern, bevor sie in der weiterführenden Schule ankommen. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Weitere müssen folgen, ohne dass wir damit Unruhe in unsere Schulen tragen. Ich will eine verlässliche Partnerschaft mit unseren Schulen aufbauen. Gleichzeitig braucht es bei den anstehenden Maßnahmen einen langen Atem.

 

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